Wenn man der neuen Kampagne von ARD und ZDF Glauben schenken darf, dann sorge ich dafür, dass ganz Deutschland die WM-Spiele live und unverschlüsselt sehen kann. Weil ich Gebühren zahle. Leider ist es mir und mit meinen Gebühren aber noch nicht gelungen, für eine gelungene WM-Berichterstattung der beiden öffentlich-rechtlichen Sender zu sorgen.
Immerhin gibt es im Ersten Mehmet Scholl. Einen Experten, der treffend beobachtet und mich mit interessanten Erkenntnissen versorgen kann. Jürgen Klopp kann das auch, aber der steht bei RTL vor dem Mikrofon. Dort hat man bei den Live-Spielen immer den Eindruck, die Reporter der Spiele würden lieber ein Formel 1-Rennen als Fußball sehen. So hanebüchen sind die Kommentare zu dem, was auf dem Rasen geschieht.
Währenddessen schickt die ARD Steffen Simon ins Rennen, der bei seinen Analysen oft die Stimme hebt aber inhaltlich meistens trotzdem daneben liegt. Schade nur, dass er nie den Mut hat, sich zu korrigieren. Diese Fähigkeit besitzt Tom Bartels, der sich aber offensichtlich als menschlicher Vuvuzela-Filter versteht. Deswegen redet er ohne Punkt und Komma, damit sich nur ja kein störendes Nebengeräusch zwischen seine Worte schleicht.
Später erscheinen bei der ARD immer Delling und Netzer und schon nach wenigen Sekunden wartet man darauf, dass im Bildschirm endlich das Datum der Wiederholung eingeblendet wird, die man gerade zu sehen kriegt. Aber immerhin bemühen sich die beiden ARD-Haudegen, lustig zu sein.
Im ZDF-Studio steht uns abends Oliver Kahn gegenüber. Er hat mit Humor nichts am Hut, aber Katrin Müller-Hohenstein stellt ihm trotzdem ewig gut gelaunt ihre Fragen. Kahn reagiert auf jede Frage mit einer gewissen Zurückhaltung, fast vorsichtig, so wie eine müde Raubkatze, die sich nicht in eine Falle locken lassen will. Nach einer kurzen Pause macht er dann in seiner Antwort deutlich, was jetzt ganz wichtig ist und was die Mannschaft jetzt braucht. Ihn zum Beispiel, aber das denkt Kahn nur, das sagt er natürlich nicht. Seine Ausführungen untermalt er immer mit weit ausholenden Bewegungen seines linken Arms - hier setzt „der Titan“ offensichtlich das Grundlagenwissen eines Rhetorik-Seminars ein. Immerhin - je länger Kahn redet, desto eher friert auch mal das Dauerlächeln von Frau Müller-Hohenstein ein. Die ZDF-Frau wirkt dann fast nachdenklich. Vielleicht überlegt sie, wie hoch die GEZ-Gebühr sein müsste, damit man nicht nur live und unverschlüsselt von einer WM berichten kann.
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