Der erste Spieltag stand medial fraglos im Zeichen des FC Bayern – genauer gesagt: im Zeichen der Neuen beim FC Bayern. Keine Zeitung, kein Sender, der nicht vom neuen und ach so großartigen FC Bayern berichtete. Da wurde Franck Ribery ungeniert zum Kaiser gekrönt, Miroslav Kloses Rückkehr in die Weltklasse bejubelt und Luca Tonis Schuss ins leere Tor schlicht zur Liga-Sensation gehypt. Klar: Das Sommerloch war lang und die Gazetten hatten lange darauf gewartet, endlich noch mal so richtig auszuticken. Aber muss dazu wirklich ein Sieg gegen Hansa Rostock herhalten? Schaut man genauer auf den Spieltag gibt es nämlich ganz andere Helden.
Keine Ahnung warum, aber irgendwie freute man sich arglistig als Wolfsburgs Autokrat Felix Magath beim Werksclub seine Heimspiel-Premiere ordentlich in den Sand setzte. Jeder andere Verein käme ja sympathisch rüber, wenn er lieber auf junge deutsche Talente als auf mittelmäßige Profis aus der Balkanecke setzen würde. Beim VfL Wolfsburg und bei Felix Magath ist das irgendwie anders.
Einer, der am ersten Spieltag der Saison federführend dafür gesorgt hatte, dass dies so kam, war ausgerechnet ein deutscher Spieler, der nun wirklich kein Talent mehr ist, sondern viel mehr einer, der mal besser und mal schlechter spielt: Jörg Böhme. Der Linksfuß mit Proleten-Tendenz zeigte beim Spiel gegen Wolfsburg ganz großen Sport. Er war überall, schlug großartige Flanken, gewann eine Menge Zweikämpfe und schlug geniale Pässe, die auch noch zu Toren führten. Kurz: Er war zweifellos einer der Besten am ersten Spieltag.
In der Endphase der letzten Saison antwortete Bielefelds Trainer Ernst Middendorp auf die Frage, warum seine Mannschaft ein Spiel gewonnen hatte, mit einer für ihn typischen Antwort: „Wir haben gewonnen, because of Böhme!“ Because of Böhme startete Arminia Bielefeld nun großartig in die Saison und darf mit zwei Heimspielen vor der Brust von etwas mehr träumen – auch wenn die nach Sensationen brünstigen Gazetten voll sind mit Namen wie: Franck Ribery, Miroslav Klose oder Luca Toni.
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