Footage - Magazin für Fußball und Popkultur



11.09.2010 03:45:52

"Ich als Verein..."

Zum Tod von Jean Löring

Die erste Mannschaft des zweitwichtigsten Kölner Fußballvereins hat seit der Winterpause spielfrei. Die finanziell und sportlich schwer angeschlagene Fortuna aus Köln zog schon vor einigen Wochen ihre Mannschaft aus dem laufenden Betrieb der Oberliga Nordrhein zurück. Sollte die Elf aber dennoch in den nächsten Wochen irgendein Match bestreiten, müsste wohl jeder Spieler mit einem riesigen Trauerflor auflaufen. Denn Fortunas Vater – und man weiß gar nicht, was er sonst noch alles für diesen Club war – Jean Löring ist am Wochenende im Alter von 70 Jahren an Krebs gestorben.

Löring hieß nicht nur für seine Freunde sondern auch in der Volksseele „de Schäng“, und einen ähnlich prägnanten Spitznamen hat in Köln auch Toni Schumacher als „de Tünn“ erhalten. Beide zusammen waren einst für die Geschicke der Fortuna verantwortlich, und ihre Zusammenarbeit endete mit einer der vielen legendären Geschichten, die sich um Jean Löring ranken. Als Schumacher Trainer des Südstadt-Clubs war, wurde er von Löring 1999 in der Halbzeitpause einer deprimierenden Zweitliga-Begegnung entlassen. „Ich als Verein musste handeln“ hat "de Schäng" damals gesagt. Ob er wirklich zu dieser Maßnahme greifen musste, sei mal dahingestellt, aber mit der Formulierung „Ich als Verein“ hat er schon irgendwie recht gehabt. Wohl niemals zuvor wurde ein Verein so sehr durch seinen Präsidenten repräsentiert wie die Fortuna durch „de Schäng“.

40 Millionen Mark soll Löring in seine Fortuna über die Jahre investiert haben, eine Zahl über die Roman Abramovich als Besitzer des FC Chelsea wahrscheinlich nur müde lächeln kann. Löring war in dieser Hinsicht eben nur ein Mäzen und kein Mogul. Löring residierte in einem gedrechselten Holzthron in der Geschäftsstelle, zumindest dann, wenn er nicht gerade angeblich die Flutlichtmasten instandsetzte oder die Fans tatsächlich einzeln und höchst selbst begrüßte. Jean Löring gehört nicht zu den Menschen, die am Fußball verdienten. Im Gegenteil. Er hat für den Fußball gelebt, er ist mit dem Fußball gescheitert. Und genau das unterschied ihn eben von all den Neureichen, die sich heute mal eben im Vorbeigehen einen Fußballverein kaufen, so als wäre es irgendeine CD, die noch in der Sammlung fehlt. Deshalb nötigt „de Schäng“ heute vor allen Dingen eins ab – Respekt.

Autor: Die Redaktion

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