Der FC Bayern wird Meister, holt den DFB-Pokal und dürfte im UEFA Cup im Halbfinale an Zenith St. Petersburg scheitern. Auch ansonsten passiert wenig Überraschendes in der Liga und drum herum. Für Eierkneifer gibt´s die rote Karte und Oliver Kahn bei „Wetten dass...“ ist sowieso ein komatöses Desaster. Alles öde, alles vorhersehbar, alles Bundesliga. Ganz anders ist das im Moment in der Schweiz.
Dort steht ein liebenswerter Verein zum ersten Mal seit sieben Jahren an der Spitze der Liga und scheint auf dem besten Weg nach 1986 endlich noch einmal den Titel nach Bern zu holen. Seit diesem Spieltag und einem 4:0 Sieg in Thun sind die Young Boys Tabellenführer in der Schweiz. Ich weiß das, weil ich am vergangenen Wochenende zu einem Kurztrip in Bern war. Dort, wo wahrhaft bezaubernde Menschen mit YB – im O-Ton liebevoll Ebay genannt – fiebern. Bezaubernde Menschen wie der passionierter DJ, die erstaunlich hübsche Event-Managerin des Stadions, der ebenso galante wie patente Stadion-Chef, der im Exil lebende aber schon gut assimilierte Deutsch-Schweizer, der grandiose und eigentlich englische TV-Korrespondent, der hilfsbereite Stiftungschef oder die verrückten Mitzwanziger, die mit YB schon in Aserbaidschan waren. In Bern leben formidable Menschen in einer wunderschönen Stadt und sie fiebern mit ihrem Verein – seit Jahrzehnten schon. Jedes Jahr auf´s Neue hoffen sie, dass YB endlich noch einmal den Titel holt. Viel mussten sie in all den Jahren ertragen: Pokalfinal-Niederlagen gegen Zweitligisten im heimischen Stadion, Abstiege und Aufstiege, den Abriss ihres geliebten Wankdorf, die Entlassung des Kult-Trainers Marco Schällibaum und wie gesagt über zwanzig Jahre ohne nationalen Titel.
Dies könnte nun endlich anders werden, das Schicksal könnte sich drehen. YB-Kapitän Hakan Yakin und Stürmer Thomas Häberli trafen in der laufenden Saison zusammen bereits 35 Mal, sind auf dem Weg zur Unsterblichkeit – wenigstens in Bern. Noch sind es acht Spiele in der Schweiz. YB hat 58 Punkte, Verfolger und Titelverteidiger Basel auch. Die Meisterschaft in der Schweiz steht auf des Messers Schneide, ist spannend wie nie. Und Menschen, die sie wahrlich verdient hätten, fiebern stündlich mit. Wer sie kennt, der tut es auch. Hopp YB! Ihr könnt es schaffen!
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