Das Zentrum der Metropolregion Rhein-Neckar ist Herbstmeister. Glückwunsch und Respekt – vor allem, wenn man bedenkt wie schwer die Hinrunde für einzelne Hoffenheimer Helfer gewesen ist.
Herr H. ist vorsichtig geworden. Oft wurde er in gegnerischen Stadien verhöhnt und mit Schmähgesängen der Fans empfangen. Ja, man kann fast sagen: H. wurde bundesweit massiv diskriminiert.
Das begann manchmal schon an der Einlasskontrolle, als ihn Ordner auffällig lange durchsuchten, während irgendwelche Lausbuben unbehelligt ins Stadion gelassen wurden. Zu allem Übel wurde die Eintrittskarte von Herrn H. auch noch fast regelmäßig in der Mitte eingerissen.
Auf der Haupttribüne zogen Besucher manchmal nur widerwillig und gelangweilt die Beine ein, wenn H. versuchte, zu seinem Platz zu gelangen. Da war niemand, der blitzartig aufstand und Platz für den größten Unternehmer der Metropolregion Rhein-Neckar machte – so wie es bei Hoffenheimer Heimspielen üblich ist.
Herr. H. konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es das gesamte Vereinsumfeld der gegnerischen Mannschaften ganz besonders auf ihn abgesehen hatte: Einmal knöpfte ihm ein Knirps, der Stadionzeitungen verkaufte, doch tatsächlich einen Euro ab. Auch an mancher Frittenbude hatte H. den Eindruck, dass er weniger Ketchup auf seine Pommes bekam, als all die anderen Besucher.
Ja, im Gegensatz zu dem, was Herr H. auszuhalten hatte, müssen selbst Norbert Siegmann die jahrelangen wüsten Beschimpfungen nach seinem Foul an Ewald Lienen 1981 wie die Fischer-Chöre vorgekommen sein. Auch Olli Kahn wurde über Jahre hinweg angefeindet – aber das war alles nichts gegen das, was Herr H. einstecken musste: Wer erinnerte sich nicht an die zahlreichen Anti-H.-Sprechchöre und Transparente? Hatte es so etwas Beleidigendes vorher schon gegeben?
Fast möchte man flüsternd antworten: “Ja, das ist ganz normaler Bundesliga-Alltag.“
Denn so wie sich der „Traditionsverein seit 1899“ in den letzten Monaten präsentierte, wird deutlich, dass der Schritt aus den unteren Klassen bis in den Profibereich für die TSG einfach zu schnell ging. Die Strukturen und die gesammelten Erfahrungswerte der handelnden Personen konnten mit der rasanten sportlichen Entwicklung nicht Schritt halten. Eher möchte man meinen, Herr H. sei in der Liga immer noch nicht angekommen. Denn wie viel Rechtsanwälte hätte Uli Hoeneß in den vielen Jahren seiner Tätigkeit bemühen müssen, wenn er auf jede harmlose Anfeindung in dem gleichen Maße eingegangen wäre, wie Herr H.? Auch wenn man sich in Hoffenheim sportlich schon auf Augenhöhe mit dem FC Bayern sieht – der Umgang mit dem Alltagsgeschäft unterscheidet beide Klubs eklatant voneinander. Und noch so einiges mehr.
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