Fußballfilme aus Deutschland sind ungefähr so selten wie brillante Momente unseres neuen Außenministers. Jetzt gibt es aber mal wieder einen. Also einen Fußballfilm. Zumindest klingt er wie einer und gibt sich im Presseheft als einer aus.
In „66/67 – Fairplay war gestern“ spielen sechs Freunde – nein, nicht Fußball – sondern die Hauptrolle in einer Geschichte, in der es eigentlich vor allem um das Erwachsenwerden geht.
Florian, Otto, Henning, Christian, Tamer und Mischa sind aber nicht nur auf dem Weg in eine neue Lebensphase sondern auch eingeschworene Fans von Eintracht Braunschweig. Sie lieben den niedersächsischen Traditionsverein, doch Liebe und Hass liegen bekanntlich nah beieinander. Und so muss die alte Eintracht bei den sechs Heranwachsenden als Antrieb für Gewalteskapaden herhalten. Oft gucken die Jungs dabei so böse, als könnten sie auch dem Kinozuschauer gleich eine runterhauen, meistens müssen aber nur die gegnerischen Fans im Film unter den Wutausbrüchen der sechs Hooligans leiden. Vielleicht sind sechs Protagonisten aber auch so aggressiv, weil der Fußball eigentlich nur noch eine Nebenrolle in ihrem Leben spielt. Probleme mit Beziehungen und dem Berufsleben haben die schönste Nebensache der Welt an den Rand gedrängt.
66/67 heißt der Fanclub der Filmhelden, denn 66/67 war die Saison, in der Eintracht Braunschweig das erste und letzte Mal deutscher Fußballmeister wurde. Mittlerweile müht sich der Verein mehr oder weniger redlich in der dritten Liga ab.
Auch Florian, Otto, Henning, Christian, Tamer und Mischa sind von großen Erfolgen weit entfernt. Es herrscht also der große Frust, vielleicht hat sie der so hart gemacht.
Doch während sich die Wut der Fußballfans immer wieder Luft verschafft, fragt man sich als relativ regelmäßiger und langjähriger Stadionbesucher, wann man überhaupt einmal so eloquente, fast 30jährige Hooligans gesehen oder mitbekommen hat. So was gibt’s wohl nur im Kino. Schade, denn eigentlich will der Film wohl einer mitten aus dem Leben sein.
Vielleicht hätte „66/67“ den Fußball als Hintergrundmelodie der Handlung einfach weglassen sollen. Die Hauptdarsteller sind gut, einige Szenen sehr schön, die Dialoge manchmal treffend und witzig zugleich – nur der versuchte Doppelpass mit dem Thema Fußball landet oft im Seitenaus.
Manchmal muss man die eigenen Ansprüche an die Wirklichkeit anpassen.
Eintracht Braunschweig wird wohl nicht so schnell davon träumen, bald mal wieder deutscher Meister zu sein. „66/67 – Fairplay war gestern“ sollte nicht erwarten, ein großer Fußballfilm zu sein. Aber eine spannende Geschichte über sechs junge Kerle, die ihr
Leben meistern wollen, ist er trotzdem geworden.
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