Seit Wochen war ich nervös. Kommt Elber. Kommt Romagnoli, was macht Ziege. Und wie wird es sein, wenn ich zum ersten mal die Drehkreuze zum Borussia-Park durchquere. Also durchquere ich. Gerade noch schlau eine Abfahrt früher von der Autobahn, halblegal geparkt, betrete ich den Block und die neue, bessere Welt eröffnet sich. Das Stadion ist erst halb gefüllt, und trotzdem ist es schon so laut wie ein Flaming Lips Konzert in einem Partykeller.
Die Teams laufen ein, und ich bin heiß, wie lange nicht mehr. Als es losgeht, geht es anders los als früher. Schneller, aggressiver Offensivfußball wie ich ihn Liebe. Die Gäste aus Dortmund sind überfordert. Der starke Ziege schlägt eine Flanke von links, und dann ist Ulich da. 1:0. Gladbach drückt weiter. Koller, wird steil geschickt, lässt sich nach minimaler Berührung fallen. Der umsichtige Lutz Wagner fällt darauf nicht rein und zeigt dem Tschechen die gelbe Karte. Neuville rochiert. Mal ist er Links, mal rechts. Bergdölmo ist völlig überfordert. Borussia presst. Hausweiler nimmt den Ball an, dreht sich schnell und schlenzt in die rechte obere Ecke. Keine Chance für Warmuz. 2:0. Auch Ewerthon scheint der neue Rasen zu gefallen. Daher liegt er meistens. Auch er sieht gelb.
Plötzlich taucht Koller frei vor Kampa auf, doch Wagner sieht ein Handspiel und pfeift ab. Als Evanilson sich in einem Laufduell gegen Ziege durchsetzt flankt er von der Grundlinie nach innen, Koller lässt den Ball geschickt passieren und Ewerthon köpft unbedrängt zum Anschlusstreffer. Nur noch zwei zu eins. Halbzeit.
Neue Halbzeit, das alte Bild. Zu passive Dortmunder lassen sich regelrecht einschnüren. Einen scharfen Schuss von Ulich kann Warmuz nur abklatschen lassen und Neuville schiebt lässig ein. Später wird man in der Sportschau sehen, dass Neuville um Grashalmesbreite im passiven Abseits gestanden haben könnte. Lutz Wagners einzige kleine Schwäche. Ich rufe Eugen Striegel an, der etwas rumdruckst. Auslegungssache meint er.
Kurz vor Schluss krönt Neuville seine hervorragende Leistung durch eine Direktabnahme aus halbrechter Position zum 4:1.
Im ersten Spiel vor neuer Kulisse fährt Borussia einen nie gefährdeten Sieg gegen die Namenscousine aus Dortmund ein. Souveränes Ding. Sollen die Erbsenzähler vom DFB doch behaupten was sie wollen.



