Die Fußball-Bundesliga gleicht nach dem 4. Spieltag einem Bahnsteig, der von einer noch nicht genauer definierten Zugverspätung betroffen ist. Niemand hat bisher seinen richtigen Platz gefunden, es herrscht hektische Betriebsamkeit – insgesamt ist alles noch etwas undurchsichtig.
Und wenn die Dinge nicht klar zu erkennen sind, können gestörte Wahrnehmungen die Folge sind. Das gilt auch für die höchste deutsche Spielklasse.
So werden Vereine wie der FSV Mainz 05 oder der VfL Wolfsburg jetzt schon mit internationalen Wettbewerben in Verbindung gebracht – obwohl die aktuelle Tabelle natürlich nur soviel Aussagekraft besitzt wie ein Statement von Franz Beckenbauer. Beim „Kaiser“ sieht die Welt allerdings schon meistens am nächsten Tag ganz anders aus, in der Bundesliga dauert dieser Vorgang in der Regel eine Woche.
Interessanter als der Versuch, bereits jetzt große Trends zu erkennen, sind bestimmte Einzelschicksale, denn auch die Spieler scheinen unter den unklaren Verhältnissen zu leiden.
Sunday Oliseh hat zum Beispiel keine Ahnung mehr, wer sein Trainer beim VfL Bochum war, aber genau das möchte er anscheinend der ganzen Welt mitteilen. Am Wochenende fand sich kaum ein Mikrofon, in das Oliseh nicht seine neue Lieblingsfrage „Wer ist Neuruer?“ stellte. Dabei schaute der Nigerianer dann immer so, als ob er ein besonderes Menschheitsproblem präzise beim Namen genannt hätte.
Auf der Gegenseite verlor allerdings auch der Bochumer Dariusz Wosz ein bisschen den Überblick. Auf seinen ehemaligen Mannschaftskameraden Oliseh angesprochen, verblüffte er nach dem Spiel gegen Dortmund mit der Aussage: „Er war gar nicht hier.“ Mit dieser Falschaussage hätte Wosz vielleicht vor hundert Jahren unbescholten davon kommen können. Im Medienzeitalter haben die Fernsehbilder eindeutig bewiesen, dass sich Wosz und Oliseh gemeinsam auf einem grünen Rasen rumgetrieben haben.
Zum Glück bewahren die Fans in diesem ganzen Durcheinander ihren gelassenen Humor. Besondere Komplimente gehen von unserer Seite an die Anhänger aus Bochum und aus Mainz. Die einen stellten ihren Dortmundern Kollegen die spitzfindige Frage: „Und was macht ihr? Und was macht ihr, am Donnerstag?“
Die anderen haben beweisen, dass Karnevalslieder nicht nur im Kölner Stadion einen erstaunlichen schönen Klang entfalten können. Auch wenn niemand weiß, was es bedeutet, dieses komische: „Humba, humba, täterää...täterää...“
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