Millionen alleinlebender Frauen und Männer suchen nach ihm, ohne dass sie es genauer beschreiben könnten. Das gewisse Etwas ist ein großes Mysterium, man hat es oder eben nicht und die Gründe für seine An- oder Abwesenheit bleiben meistens schemenhaft. Damit müssen sich suchende Singles ebenso abfinden wie so mancher Fußballverein.
Der VfL Wolfsburg kann sich mittlerweile seit Wochen in der oberen Tabellenregion behaupten. Die Mannschaft spielt ziemlich passablen Fußball in hübsch anzuschauenden grünen Trikots. Und mit Martin Petrov und Andres D´Alessandro verfügt Trainer Erik Gerets sogar über zwei Akteure, die für das viel zitierte und selten gesehene Spektakel sorgen können. Trotzdem will der Funke weder auf die Fans noch auf den mehr oder minder neutralen Betrachter richtig überspringen.
Wolfsburg ist eine eher beschauliche Stadt, in der die meisten Deutschen wahrscheinlich aus gutem Grund noch nicht gewesen sein. Aber dieses Schicksal teilen Kaiserslautern oder Mönchengladbach auch – doch den Clubs dieser Städten haftet trotzdem ein gewisses Etwas an, nur Neider würden das bestreiten wollen.
Der VfL Wolfsburg ist ein Werksclub. Auch wenn der Automobilkonzern Volkswagen seine Bedeutung nicht als Bestandteil des Namens reklamiert, die Ähnlichkeiten zu Bayer Leverkusen liegen auf der Hand. Die Ähnlichkeiten betreffen auch das Image der beiden Fußballvereine, aber was hat das Image mit der Wirklichkeit zu tun? Wie viele Artikel gab es schon, die deutlich machten, dass es Unsinn sei, einem Verein den finanzkräftigen Sponsor im Rücken vorzuwerfen? Denn welcher Verein und welcher dazugehörige Fan würde sich nicht die Geldquelle wünschen, aus der man immer wieder schöpfen kann? Es gab viele solche Artikel (explizit für den VfL plädierte vor kurzem sogar die „Zeit“) mit vielen richtigen Argumenten, und genau bei diesen Argumenten fängt das Problem des VfL Wolfsburg an.
Wenn man eins über das gewisse Etwas sagen kann, dann ist es das, dass es von Logik und guten Gründen gar nichts wissen will. Dem Wolfsburger Fußballverein fehlt eher die irrationale Unterstützung. Ihm fehlt so ein schwammiges Wort wie Ausstrahlung und dessen Bedeutung noch dazu. Ihm fehlt etwas, das nicht nur mit guten Leistungen erreicht werden kann. Und auch nicht mit der Verpflichtung eines Sportdirektors, der sein bisschen Charisma einzig und allein der Rede eines italienischen Trainers verdankt.
Helfen könnte den „Wölfen“ wohl nur ein emotionales Erlebnis, das nicht nur die Vereinsmitglieder von den Sitzen reißt. Der geistige Bruder Bayer Leverkusen hat ein kleines Stück gewisses Etwas erobern können, als man im Jahre 2002 mit feinem Fußball dreimal tragisch Zweiter wurde. Damals schwenkten sogar Kölner Fans ihren Blick mit einer gewissen Bewunderung über den Rhein.
Insofern ist es ganz gut, wenn die Wolfsburger jetzt in der Tabelle langsam nach unten durchgereicht werden. Vielleicht lauert dort irgendwo das Drama, das der Verein wahrscheinlich gut gebrauchen kann.
Mail an footage


